Disclaimer: Der Autor dieses Artikels hat in Atonomi investiert.

Das Atonomi-Netzwerk ist eine blockchainbasierte Sicherheitslösung für das Internet der Dinge (Internet of things – IoT). Durch das entwickelte Sicherheitsprotokoll können Geräte eindeutig identifiziert, zugeordnet und deren Verhalten bewertet werden. Atonomi kann dabei auf die Erfahrungen und Patente ihrer Muttergesellschaft “CENTRI” zurückgreifen, welche seit Jahren eine der führenden Firmen im IoT-Sicherheitsbereich ist und Partnerschaften mit renommierten Firmen wie Arm, Intel und Flextronics unterhält.

Problem

Nach Meinung von Gartner, einem der führenden Marktforschungsunternehmen der Welt, ist der Bereich IoT-Sicherheit einer der wichtigsten im Jahr 2018. Nach ihren Berechnungen gingen bereits 2016 etwa 5,5 Millionen neue IoT-Geräte pro Tag in Betrieb. Gartner rechnet mit 20,4 Milliarden aktiven intelligenten Geräten im Jahr 2020 (Stand 2017: 8,4 Milliarden). Die steigende Bedeutung und Vernetzung der IoT-Geräte im täglichen Leben bringt neue Risiken und potentielle Einfallstore mit sich. So wurden 2010 bereits iranische Zentrifugen zur Urananreicherung durch einen Computerwurm zerstört. In den folgenden Jahren sorgte das Mirai-Botnetz für Aufsehen. Es galt zum damaligen Zeitpunkt als größtes IoT-Botnetz in dem etwa 300.000 IoT-Geräte wie Drucker oder Smart-TVs für Angriffe missbraucht wurden.

Lösung

Um solche Attacken in Zukunft zu erschweren, entwickelt Atonomi eine vollständige und umfassende Sicherheitslösung für den IoT-Bereich. Dies beginnt mit einer Überprüfung der Hersteller durch Atonomi. Überprüfte Hersteller tragen die Daten ihrer neu produzierten Geräte in eine Datenbank ein. Bei der ersten Kommunikation eines Gerätes mit dem Netzwerk erfolgt ein Abgleich der Gerätedaten mit der Datenbank. Ist das Gerät dort gelistet, wird der Zugriff auf das Netzwerk und dessen Dienste gewährt.

Einer dieser Dienste ist beispielsweise eine Reputationsdatenbank. In dieser können Interaktionen mit anderen Geräten des Netzwerks durch von Atonomi ernannte Auditoren bewertet werden. Über die Zeit erlangt somit jedes Gerät eine Reputation. Diese kann von Teilnehmern des Netzwerks bereits vor einer Interaktion erfragt werden. Kompromittierte Geräte könnten durch dieses System schnell erkannt, vom Netzwerk ausgeschlossen und somit ein größerer Schaden abgewendet werden. Potentielle Einsatzgebiete sieht Atonomi vor allem in der unternehmensübergreifenden, automatisierten Kommunikation von IoT-Geräten. Beispielsweise könnten diese Geräte im Inventarmanagement eines Krankenhauses eingesetzt werden, um etwa das Nachbestellen von Blutkonserven aufgrund anstehender Operationen zu automatisieren. Die sichere Kommunikation der Geräte innerhalb des Krankenhaus und mit den Zulieferern könnte über das Atonomi Netzwerk gewährleistet werden. Ein ähnliches Szenario liefert das weitere Gebiet des Supply-Chain-Managements. In diesem müssen eine große Anzahl an Geräten, Just-in-time-Bestellungen und -Lieferungen optimal koordiniert werden. Auch die Auto-zu-Auto-Echtzeit-Kommunikation wurde im Rahmen der Konferenz Consensus 2018 als Beispiel für potentielle Einsatzgebiete angeführt.

Blockchain

Aus der untenstehenden Grafik lässt sich sehr gut die wichtige Position von Atonomi erkennen. Hersteller zu validieren und Auditoren zu ernennen ist ein kritischer Teil des Netzwerks. Dessen Sicherheit liegt damit in der Hand von Atonomi. Hier stellt sich sofort die Frage, wieso das System auf einer öffentlichen Blockchain basieren muss. Wenn die Nutzer Atonomi bei der Validierung der Hersteller und Ernennung von Auditoren vertrauen müssen, wieso wird dann nicht auf den Token verzichtet und eine vollständig zentralisierte Lösung favorisiert?

CryptoGo vertritt generell eine blockchain-maximalistische Ansicht, nach der sich vollständig dezentralisierte Netzwerke langfristig gegen zentralisierte Netzwerke durchsetzen werden. Die Abstufungen zwischen zentralisiert und dezentralisiert sind dabei nicht binär sondern fließend. Im Falle von Atonomi ergibt das Verwenden einer öffentlichen Blockchain aus den Gründen der erhöhten Transparenz und (besseren) Überprüfbarkeit durch Dritte daher durchaus Sinn. Eine vollständige Dezentralisierung des Systems wäre allerdings zu bevorzugen. Im Gespräch mit CryptoGo im Rahmen der Consensus-Konferenz 2018 betonte Co-Founder David Fragale, dass Atonomi in der Zukunft eine vollständige Dezentralisierung anstrebt. Aufgrund der gewählten zentralisierten Architektur ist das Erreichen dieses Ziels unserer Meinung nach äußerst unrealistisch.
Auch gibt es bisher weder Informationen über die Mindestanforderungen der Auditoren noch über deren Auswahlprozess.

Als Grundlage für Atonomi ist Ethereum aufgrund der Marktführerschaft als Smart Contract-Plattform sinnvoll. Allerdings gehen die Gründer damit gleichzeitig eine große Wette hinsichtlich der Skalierungsdebatte von Ethereum ein. Zum aktuellen Zeitpunkt ist Ethereum mit niedrigen zweistelligen Transaktionen pro Sekunde nicht gerade prädestiniert für den IoT-Bereich. Ob, und vor allem wann hohe Transaktionsraten für IoT-Geräte wirklich erreicht werden können, ist derzeit noch nicht absehbar. Angesprochen auf diese Problematik, betonte David Fragale das Vertrauen von Atonomi in die Ethereum Entwickler. Nach seinen Angaben wäre ein Wechsel von Ethereum auf eine andere Smart Contract Plattform, z.B. EOS, durchaus denkbar.

Token Economics

Der ATMI-Utility-Token basiert als ERC20-Token auf der Ethereum-Plattform. Der Token wird innerhalb des Netzwerkes eingesetzt für:

  1. Die Registrierung und Aktivierung von Geräten
  2. Das Reputationsmanagement/Scoring von Geräten
  3. Payment/ kommerzielle Transaktionen

Nach Meinung von CryptoGo bietet das ATMI-Tokendesign wenig Anreize, den Token langfristig zu halten. Der daraus folgenden Velocity-Problematik sollten sich Investoren bewusst sein.

Weiterhin ist es fraglich ob Atonomis Zielgruppe wirklich von der Verwendung eines Tokens überzeugt werden kann. In sehr vielen Industrien gibt es bereits proprietäre, also zentralisierte, Lösungen in denen unternehmensübergreifende Daten automatisiert ausgetauscht und verwaltet werden. Auch in diesen Fällen gibt es bereits ähnliche Sicherheitsprotokolle, die Attacken verhindern sollen. Eine wahre Innovation wäre die Entwicklung einer Plattform mit einem höheren Grad an Dezentralisierung von Validierung und Auditing gewesen.

Atonomi baut an dieser Stelle auf die langjährige Zusammenarbeit der Mutterfirma CENTRI mit führenden IoT-Herstellern und den daraus resultierenden Netzwerkeffekten, um sich langfristig als zentrale Instanz in diesem Bereich zu positionieren. Leider bietet der Token keinen direkten Mehrwert und kann eher als zusätzliche Eintrittsbarriere betrachtet werden.

Team

Das Team hinter Atonomi rekrutiert sich zum größten Teil aus der Mutterfirma CENTRI, welche seit Jahren eine der führenden Firmen im IoT-Sicherheitsbereich ist, 10 Patente im IoT-Bereich besitzt und Partnerschaften mit renommierten Firmen wie Arm, Intel und Flextronics unterhält.

Sowohl CEO Vaughan Emery als auch CTO Mike Mackey greifen auf fast 20 Jahre Erfahrung im IoT-Security Bereich zurück und können somit sicherlich als Experten auf diesem Gebiet bezeichnet werden. Auch Atonomis Chief Data Scientist Dr. Louis Paris entstammt der CENTRI-Familie. Bevor er dort als Chief Scientist eingestellt wurde, arbeitete er als Dozent für Computer- und Informationssysteme an der Harrisburg University.

Mit David Fragale und Andrii Zamovsky wird das Führungsteam um langjährige Blockchainerfahrung erweitert. Vor seinem Engagement bei Atonomi arbeitete Fragale unter anderem für PricewaterhouseCoopers im Bereich des Strategischen Gefahrenmanagements. In dieser Aufgabe beriet er Klienten beim Einsatz von Blockchains, um Korruption und Betrug einzudämmen. Zamovsky wiederum ist Gründer von Ambisafe, einer Firma die sich seit 2010 mit der Entwicklung von Blockchain-Lösungen beschäftigt.

Ohne Frage, das Atonomi Führungsteam vereint sowohl Fach- als auch Blockchainkompetenz auf beeindruckende Weise. Leider stehen auch nach mehrfacher Nachfrage keine Informationen zu weiteren Mitarbeitern zur Verfügung.

Token-Sale

Atonomi möchte durch ihren ICO 25 Millionen Dollar einnehmen. Dafür werden 50% der 1 Milliarden ATMI-Tokens in Pre- und Public Sale verkauft. Der Pre-Sale ist bereits beendet. Wie viele Tokens zu welchen Konditionen verkauft wurden, ist nicht bekannt. Die Whitelisting-Phase für den Public ICO ist gerade pausiert. Laut David Fragale sind bereits über 50.000 Personen registriert. Von diesen werden die ersten 20.000 Personen die Möglichkeit zum Investment bekommen. Sollte das angestrebte Hardcap dadurch nicht erreicht werden, erhalten weitere Personen die Möglichkeit, zu investieren bis das Hardcap erreicht wird. Die genaue Aufteilung der restlichen 50% der Tokens sowie detaillierte Informationen über die Verwendung des eingesammelten Geldes sollen noch vor dem Start des Public ICOs veröffentlicht werden. Auch wurden auf Nachfrage keine Informationen bezüglich Vesting- und Lockup-Periode zur Verfügung gestellt.

Roadmap

Eine bereits veröffentlichte Roadmap wurde von Atonomi zurückgezogen. Es gibt daher keine offiziellen Informationen über die Milestones in den kommenden Monaten und Jahren.

Bereits früh verkündete der CEO Vaughan Emery innerhalb des Atonomi-AMAs, dass am 15. Mai Quelltexte des Projektes in ihrem Github-Repository bereitgestellt werden sollen. Zum Zeitpunkt der Analyse befand sich dort der Quelltext des verwendeten Smart Contracts als auch das Software-Development-Kit (SDK), mit dessen Hilfe Entwickler auf der bestehenden Atonomi-Plattform aufbauen können.

Konkurrenz

Wer sich im Blockchain-Bereich auf IoT-Geräte fokussiert, der kommt natürlich an einem Vergleich mit  IOTA nicht vorbei. Auch wenn Atonomi in ihrem Whitepaper von Zahlungstransaktionen spricht, liegt der aktuelle Fokus auf dem Sicherheits- und Identitätsaspekt der IoT-Welt. Dieser wurden bisher von IOTA nie direkt adressiert. Es existiert auch kein eigenes IOTA-Identitätsmodul, welches sich mit Atonomis Ansatz vergleichen ließe.

Hundai BS&c arbeitet mit Hdac bereits an einer Blockchain-Lösung im IoT Bereich. Allerdings ist der ICO von Hdac erst ein paar Monate her und steht daher noch in den Startlöchern. Ob, wann und wie weit Hdac in Sicherheitsfragen mit Atonomi konkurriert, kann noch nicht beantwortet werden.

Fazit

Zweifelsohne agiert Atonomi mit ihrem IoT-Sicherheitsprotokoll auf Blockchainbasis in einem der größten Zukunftsmärkte. Die Unterstützung durch die Mutterfirma CENTRI ermöglicht sowohl die Nutzung relevanter Patente als auch direkten Zugang zu den Partnern Intel, Arm und Flextronics. Unterstrichen wird dies durch Lobgesänge von höchster Stelle, beispielsweise von Ian Ferguson, VP Ecosytem Development von Arm. Auch das Kernteam besticht durch jahrelange Erfahrung im IoT-Security und Blockchainbereich.

Bei der Architektur des Tokens jedoch wurden nach Meinung von CryptoGo viele innovative integrierbare Optionen außer Acht gelassen. Dies ist aufgrund der expliziten Blockchainexpertise des Kernteams umso erstaunlicher. Ob sich Atonomi mit ihrem IoT-Sicherheitsprotkoll als Quasi-Standard für IoT-Geräte etablieren kann, bleibt abzuwarten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen relevanter Informationen zur Tokendistribution und der Verwendung des eingesammelten Kapitals. Diese sollten wenige Wochen vor dem Start des ICOs bereits verfügbar sein. Auch der Rückzug der Roadmap wirft einige Fragen auf. Ebenfalls unbeantwortet bleibt die Zusammensetzung des Teams unterhalb der Führungsetage. Generell war die Kommunikation mit dem Support-Team sehr mühsam. Auf Fragen folgten häufig irrelevante Antwortblöcke aus dem Whitepaper. Trotz mehrmaliger Nachfragen blieben weitere tiefergehende Fragen unbeantwortet. Im Rahmen der Consensus-Konferenz 2018 konnten wir im Gespräch mit David Fragale einige Antworten erhalten. Dennoch stellt CryptoGo die langfristige Relevanz des ATMI-Tokens, mit dem aktuellen Design, in Frage.

Zusammengefasst adressiert Atonomi mit ihrer Lösung ein wichtiges Problem in einem DER Märkte der Zukunft. Das aktuelle Tokendesign lässt jedoch viel Luft nach oben offen. Ob das sehr starke Team hinter Atonomi diese Schwäche auffangen kann, bleibt aber abzuwarten.

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Disclaimer:

CryptoGo hat den Anspruch, über neue ICOs transparent und unabhängig zu berichten und zu bewerten. Dabei werden die Reports nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Allerdings stellen die auf dieser Seite wiedergegebenen Reports und Bewertungen lediglich unsere Meinung dar und sollen auf keinen Fall Investitionsempfehlungen aussprechen. Jeder Investor sollte sich ausgiebig mit den vorgestellten ICOs beschäftigen und diese nach eigenen Maßstäben analysieren und bewerten.