7.4
Score

Technologie
7,1
Produkt
8,2
Business Model
7,4
Team
8,2
Token Sale
6

Final Verdict

Website: blockv.io
Whitepaper: blockv.io/whitepaper
Twitter: blockv_io
Facebook: blockv.io

BLOCKv - Combining Virtual Reality and Blockchain Technology

Ein Großteil aller in 2017 anstehenden oder schon bereits abgeschlossenen ICOs verfolgt das Ziel, bestehende Strukturen etablierter Branchen aufzubrechen. Das Blockchain Startup BLOCKv geht einen anderen Weg, indem sie sich nichts weniger zum Ziel setzen, als blockchainbasierte, digitale Produkte für den Verbraucher durch den Einsatz von Virtual- und Augmented-Reality-Techniken zum Leben zu erwecken. Dabei dreht sich alles um „Smart Objects“, welche in der BLOCKv-Welt „Virtual Atoms“ (vAtoms) genannt werden. Nutzer sollen mit diesen Objekten interagieren, sie tauschen oder sammeln – und am besten natürlich kaufen. Wer sich hier spontan an PokemonGo erinnert fühlt, der ist auf dem richtigen Weg, wie das Einführungsvideo von BLOCKv zeigt:

Virtual Reality auf der Blockchain

vAtoms sind von ihrem Schöpfer individuell gestalt- und programmierbar und können – wie im Video gesehen – verschiedenste Eigenschaften besitzen.

Es ist leicht vorstellbar, dass bei einer weiten Verbreitung der BLOCKv-Technologie schnell mehrere Tausend oder Zehntausend vAtom-Transaktionen pro Sekunde anfallen können. Für diese hochfrequente Nutzung reichen die etablierten Blockchains, wie Bitcoin oder Ethereum, zum aktuellen Zeitpunkt nicht aus. Daher strebt BLOCKv zunächst eine semi-dezentrale Lösung an, in der die notwendige Skalierung auf der einen Seite durch off-chain-Transaktionen, auf der anderen Seite aber auch durch die Verwendung der Ethereum-Blockchain zur Verwaltung der vAtoms erreicht wird.

Dabei fungiert der verwendete ERC20-Token mit dem Namen „VEE“ intern primär als Zahlungsmittel zwischen verschiedenen Parteien des BLOCKv-Ökosystems. Extern kann mit diesem Token aber natürlich auch spekuliert und gehandelt werden. Mit der Verfügbarkeit von second layer Protokollen wie Raiden soll dann der Schritt zur vollständigen Dezentralisierung erfolgen.

Status Quo

Auch wenn BLOCKv im neusten Whitepaper sich im Kern als „open source, shared protocol“ bezeichnet, so ist zum aktuellen Zeitpunkt kein Programm-Quelltext öffentlich verfügbar. Auf Nachfrage wurde das CryptoGo-Team auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Auch die im Einführungsvideo gezeigte iOS-Demo App ist im Apple Store nicht verfügbar. Der Entwicklungsstand der Plattform kann daher zu diesem Zeitpunkt nicht von unabhängiger Seite beurteilt werden. Die Frage, ob die im Whitepaper aufgezeigten Milestones innerhalb des gesetzten Zeitrahmens realistisch erscheinen, kann ebenso nicht beantwortet werden.

Dieser Sachverhalt ist in der Welt der ICOs allerdings eher die Regel als die Ausnahme, stehen die Unternehmen zu diesem Zeitpunkt doch meist am Anfang des Produktentwicklungsprozesses. Glaubt man der offiziellen Roadmap des Unternehmens, so arbeiten die Entwickler zum gegenwärtigen Zeitpunkt an den ersten vAtom-Prototypen, welche mit Hilfe von Smart Contracts in die Ethereum-Plattform integriert werden sollen. Für das erste Quartal 2018 ist die Veröffentlichung einer ersten Testplattform geplant, während im dritten Quartal eine erweiterte Version veröffentlicht wird. Leider gibt es auch auf Nachfrage keinerlei Informationen darüber, ob damit schon eine großflächige kommerzielle Nutzung der Technologie möglich ist.

Team

Es wäre noch untertrieben, zu behaupten, dass die BLOCKv-Führungsetage einschlägige Branchenerfahrung besitzt. Mit Reeve Collins und Craig Sellars sind zwei der Köpfe hinter Tether mit an Bord. Beiden werden darüber hinaus enge Verbindungen zum Krypto-Exchange Bitfinex nachgesagt. Vor allem angesichts der aktuellen Probleme von ICOs, auf angesehenen Exchanges gelistet zu werden, kann diese Verbindung nicht hoch genug bewertet werden. Dass Sellars zu den führenden Blockchain-Architekten der Branche gezählt werden kann, wird auch aus seiner Beratertätigkeit für Blockchain Startups wie Factom, MaidSafe, Synereo oder auch Mastercoin ersichtlich. Mit Gunther Thiel hat das Team zudem einen Experten für verteilte Systeme an Land gezogen, der seine ganze Expertise als früherer „Head of Cloud Development“ beim Telekommunikationsunternehmen Swisscom in die Entwicklung von BLOCKv einfließen lassen kann.

Auch das Beraterteam kann sich mehr als sehen lassen. Hervorzuheben ist hier vor allem das Engagement von Brock Pierce, der einschlägige Erfahrungen mit Gründungen und ICOs im Blockchainbereich mitbringt (Bancor und Block.one). Auch gründete er 2013 Blockchain Capital, der erste Venture Capital Fund der Kryptoszene.

Das restliche Advisory Board besticht vor allem durch eine breite Abdeckung an Kompetenzen. Der frühere Marketing Senior Vice President von Coca Cola, Emmanuel Seuge, als auch Jeff Holden als Chief Product Officer bei Uber sind hier nur als Spitze des Eisbergs zu nennen.

Die Zusammensetzung der Führungsetage und des Beratergremiums bilden eine sehr gute Grundlage für den Erfolg des Unternehmens. Allerdings finden sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine detaillierten Informationen über die Zusammensetzung des Entwicklerteams. Daher lässt sich hier auch keine Aussage über die Kompetenzen und Erfahrungen des Teams treffen, welches letztendlich die Vision von BLOCKv umsetzen möchte.

Token Sale

Mit ihrem ICO am 19. Oktober möchte das BLOCKv-Team 35% der VEE-Token für 40 Millionen US-Dollar verkaufen. Der Unternehmenswert würde somit etwa 114 Million US-Dollar betragen. Im Vergleich zu anderen ICOs dieser Größenordnung, wie Bancor, Status oder auch Ambrosus, ist die prozentuale Anzahl an zum Verkauf stehenden Tokens am unteren Ende des Spektrums anzusiedeln. Betrachtet man die Gesamtheit aller ICOs der letzten Monate, so werden normalerweise um die 50% der Tokens zum Verkauf angeboten.

Die restlichen 65% der generierten VEE-Tokens gehen zu 15% in ein Budget, welches den langfristigen Erfolg des Projektes gewährleisten soll. Von diesen, zum Ausgabezeitpunkt wahrscheinlich etwa 17 Millionen US-Dollar, wird die erste Hälfte nach 3 Jahre, die restlichen Tokens nach 6 Jahren ausgeschüttet.

  • Public ICO ($40m)
  • Long Term Budget (~$17m)
  • Team (~$28m)
  • Community Incentives (~$28m)

Von den übrigen 50% der Tokens werden 25% für die Förderung von vAtom-Projekten bereitgehalten. Die restlichen 25% gehen an das BLOCKv-Team. Beide Bereiche haben allerdings nach dem Abschluss des ICOs nur Zugriff auf ein Fünftel dieser Tokens. Die restlichen Tokens werden durch einen Ethereum-Smart Contract kontrolliert, welcher alle sechs Monate weitere 20% der initial zugeteilten Tokens auszahlt. Insgesamt erhalten sowohl das Team als auch der Promotion-Pool zum ICO Zeitpunkt Tokens im Wert von etwa 28 Millionen US-Dollar.

Generell ist das Verwenden von Smart Contracts zur Verwaltung von Team- und Beratertokens als Teil der ICO-Struktur durchaus üblich. Allerdings bleiben diese Tokens in der Regel für einen längeren Zeitraum gesperrt (12 oder 24 Monate) um dem Team einen weiteren Anreiz für eine langfristige Entwicklung zu geben.

Evaluation

Für den Augmented Reality und Virtual Reality-Markt wurde eine Umsatzprognose von 108 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2021 vorhergesagt. Unter diesem Gesichtspunkt und dem Hype um Apps wie PokemonGo war es nur eine Frage der Zeit, bis ein ähnliches Konzept von Firmen oder Start-Ups aufgegriffen wurde. BLOCKv nimmt dabei die Vorreiterrolle ein, um die Brücke zwischen Blockchain-Technologie und AR- und VR-Techniken zu schlagen. Diese Vision überzeugte auch die Jury der „ICO Pitch Competition“, welche während der auf Dezentralisierung fokussierten Konferenz „d10e“ in Kiew Mitte September stattfand. Dort konnte sich BLOCKv gegen 20 weitere ICOs durchsetzen und sich den ersten Platz sichern.

Die personellen Voraussetzungen, um diese Vision zu realisieren, sind zumindest auf Führungs- und Beraterebene gewährleistet. Ob allerdings die technische Umsetzung wie geplant gelingt, bleibt angesichts der dürftigen Informationen über das eigentliche Entwicklerteam und die fehlende Einsicht in die bereits entwickelten Teile der Plattform, fraglich.

Des Weiteren hat BLOCKv in den Social-Media-Kanälen der Branche bisher noch keinen Ansturm auf den ICO entfachen können, was angesichts des ansprechenden Einführungsvideos und der Marketing-Expertise des Beraterteams die Frage aufwirft, inwiefern diese Erfahrungen zum jetzigen Zeitpunkt in das Unternehmen eingebracht werden.