Wer sich aktuell in der Krypto-Szene bewegt, der kommt um Decentralized Finance (DeFi) nicht herum (DeFi-Einsteigerartikel: F5-Crypto und Yos Riady). DeFi ist dabei nicht ein neues Projekt oder Token, sondern das Buzzword für Finanzkonzepte und -produkte wie es sie bereits Offline seit mehreren Jahrhunderten gibt – nur jetzt virtuell auf der Blockchain als Geldbausteine, so genannte “Money LEGOs”.

Alte Hasen der Szene werden “DeFi” noch als “Open Finance” kennen. “Open Finance”-Projekte wurden im “Initial Coin Offering” (ICO) Hype 2017 von den Investoren überrannt – meistens ohne dass auch nur eine Zeile Code programmiert war. Damalige ICOs wie Kyber oder Synthetix haben inzwischen tatsächlich ihren Worten Taten folgen lassen und bilden heute mit ihren Produkten wichtige LEGO-Steine im DeFi-Baukasten.

Yield Farming – ein alter Bankenhut?

Ein Konstrukt dieses Baukastens, dass in den letzten Wochen viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist das so genannte “Yield Farming”. Dabei stellt man als Investor Liquidität für Liquiditätspools zur Verfügung. Andere Mitglieder der Community können sich aus diesem Liquiditätspool Darlehen aufnehmen und zahlen dafür eine Gebühr. Diese Gebühr wird anteilig an alle Investoren verteilt. Abhängig von Angebot und Nachfrage ändern sich die Gebühren rund um die Uhr. Bei hoher Nachfrage nach Darlehen, werden diese teurer. Im Gegenzug wird es profitabler Liquidität bereitzustellen.
Was sich zunächst wie ein alter Bankenhut anhört, wird bei genauerer Betrachtung zu einem komplexen und verschachtelten Smart Contract-Konstrukt, bei dem man Risiko und Renditen entsprechend der eigenen Risikoaffinität zusammenbauen kann. 

Komplexe Konstrukte ermöglichen hohe Renditen

Aktuell basiert ein Großteil des DeFi-Ökosystems auf der Ethereum Blockchain. Der native Ethereum-Coin (ETH) bildet daher den Ausgangspunkt für ein beispielhaftes Yield Farming-Konstrukt.

  1. Im ersten Schritt wird die Investitionssumme vergrößert. Dazu werden die ETH als Sicherheit hinterlegt, um MakerDaos Stablecoin “DAI” zu generieren. Maker verlangt eine Leihgebür für den DAI. Diese Gebühr schwankt im Verlauf des Jahres. Zum aktuellen Zeitpunkt liegt sie allerdings bei 0%. 
  2. Diese generierten DAI können dann mit einer Web-App wie instadapp.io bis zum Faktor 4 gehebelt und in den Compound Smart Contract eingezahlt werden.
    Compound ist eine Lending Plattform bei der durch das zur Verfügung stellen von Liquidität Zinsen generiert werden. Aktuell (Stand: 24.August 2020) erhält man etwa 3% Rendite pro Jahr auf die verliehenen DAI zusätzlich zu der Kursentwicklung der hinterlegten ETHs. 
  3. Durch die Einzahlung in Compound werden zwei Mechanismen in Gang gesetzt. Zum einen werden pro Tag 2800 COMP Tokens (Preis pro COMP 180$, Stand: 24. August 2020) generiert und abhängig von der zur Verfügung gestellten Liquidität an die Kapitalgeber verteilt. Zum anderen erhält jeder Liquiditätsanbieter für die investierten DAI eine äquivalente Summe an compound-DAI (cDAI). Sowohl COMP als auch cDAI sind dabei gewöhnliche ERC20-Tokens und können daher in einer Wallet gelagert, versendet oder auch verkauft werden. 
  4. Um das DeFi-Konstrukt auf die Spitze zu treiben tauscht man diese cDAI auf der DeFi-Exchange Uniswap in Balancer Token (BAL). Diese BAL-Tokens können beispielsweise in den BAL-wETH-Liquiditätspool investiert werden, der nach heutigem Stand 3.25% pro Jahr an Zinsen generiert. 

Dieses hypothetische Konstrukt würde insgesamt Zinsen aus zwei verschiedenen DeFi-Projekten generieren. Zusätzlich hält man weiterhin sein ETH-Investment. Insgesamt ist die Komposition der Bausteine im DeFi-Ökosystem beliebig. Wer langfristig nicht an steigende ETH-Kurse glaubt, der kann sein DeFi-Konstrukt auch direkt in DAI starten. 

Hohe Rendite bedeutet hohes Risiko

Wer ernsthaft mit einem Investment in ein DeFi-Konstrukt liebäugelt, der sollte vor lauter Renditen nicht das Risiko aus den Augen verlieren. Jeder Baustein steigert die Komplexität und bringt somit auch vielschichtige Risiken mit sich. Diesen Risiken widmen wir uns dem nächsten Post dieser DeFi-Reihe. 

Vielen Dank an Florian Döhnert-Breyer für Input und Feedback!

Titelbild: btcmanager.com